Führung durch die Buchkunstsammlung

Die Stadtbibliothek öffnet regelmäßig ihre Schatzkammer und zeigt interessierten Kundinnen und Kunden die Sammlung historischer und schöner Bücher.

Ihre Ansprechpartnerin

Frau Kutscher
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Tel. 02032834243

Stadtfenster
Steinsche Gasse 26
47051 Duisburg

Katalog "Erlesene Buchschätze"

Erhältlich an der Erstinformation in der Zentralbibliothek gegen eine Schutzgebühr von 2,- Euro.

Fotomotive aus dem Katalog

"Historische und Schöne Bücher" - Die Sammlung der Stadtbibliothek Duisburg

Nahezu alle traditionsreichen Wissenschaftlichen und Öffentlichen Bibliotheken in Deutschland verfügen über bedeutende historische Buchsammlungen, deren Ursprünge teilweise ins Späte Mittelalter und in die Frühe Neuzeit zurückreichen. Die Stadtbibliothek Duisburg, 1901 gegründet, hat erst 1937 begonnen, eine solche Sammlung aufzubauen. In diese Zeit fällt der Ankauf einer deutschsprachigen Handschrift des "Sachsenspiegel" aus dem Jahre 1385, also der ältesten Aufzeichnung des Gewohnheitsrechts, die der sächsische Rechtsgelehrte Eike von Repgow im 14. Jahrhundert in Latein und in einer deutschen Übersetzung angefertigt hat. Insgesamt sind weltweit nur etwa 460 Handschriften des "Sachsenspiegel" überliefert.
Großbildansicht

Erst 1963 konnte die Stadtbibliothek den Aufbau einer historischen Sammlung fortsetzen. In seinem Testament hatte Dr. Ernst Böninger (1877-1961), dessen Familie durch eine weltweit angesehene Tabakwarenfabrik in Duisburg zu Reichtum gekommen war, der Stadtbibliothek insgesamt 1.050 bibliophile Bände und Drucke vermacht. Die "Sammlung Böninger" umfasst Bücher des 16. bis 19. Jahrhunderts, darunter lateinische und griechische Klassikerausgaben in bedeutenden Editionen, zeitgenössische Lutherausgaben, Bibelausgaben und -kommentare Calvins und calvinistischer Autoren, Texte der Humanisten Petrarca und Erasmus von Rotterdam, Philosophische Werke des 18. und 19. Jahrhunderts, die Gesamtausgaben der Werke Friedrichs des Großen und Voltaires, historische Reisebeschreibungen, die Geschichte Napoleons und seiner Feldzüge, die "Ausgabe letzter Hand" (1827-1842) sämtlicher Werke Goethes. Historische Ausgaben der Werke Friedrich Schillers und Heinrich Heines wurden 2005 und 2006 aus Anlass des 200. Todestages beziehungsweise des 150. Todestages erworben.

1973 trennten sich die Kirchenkreise Duisburg-Süd und Duisburg-Nord von ihren Synodalbibliotheken. Dabei gelangten rund 200 Drucke des 16. bis 18. Jahrhunderts, darunter wertvolle Bibelausgaben und -kommentare sowie volkstümliche Lese- und Erbauungsbücher, in die Stadtbibliothek. 1989 konnte die Stadtbibliothek den historischen Bestand der Bibliothek des städtischen Landfermann-Gymnasiums übernehmen. Dieser Teil der Sammlung enthält insgesamt 1.302 Druckwerke und ein handschriftliches Brevier aus dem Jahre 1386. Den Kern bilden 352 Drucke aus dem Bestand der alten Universität Duisburg (1655-1818): Dissertationen, Vorlesungsverzeichnisse, Reden und Plakate. Lateinische und griechische Klassiker wie Cicero, Livius, Vergil und Horaz sind mit seltenen Ausgaben aus dem frühen 16. Jahrhundert vertreten. Neben zwei herausragenden Atlanten Gerhard Mercators finden sich rund 60 Erd- und Reisebeschreibungen aus dem 18. Jahrhundert. Die historische Abteilung mit vielbändigen Universalgeschichten, Darstellungen zu unterschiedlichen Ländern und deutschen Landschaften ebenso wie die naturwissenschaftliche Abteilung, in der frühe Ausgaben der Werke Newtons, Linnés und Eulers zu finden sind, dokumentieren den großen Wert dieser Sammlung.


Über den historischen Buchbestand hinaus enthält die Sammlung auch wertvolle Faksimiles und Reprints. Hervorzuheben ist das 452 Seiten (mit 50 ganzseitigen Miniaturen) umfassende Faksimile des Evangeliars Heinrichs des Löwen aus dem Jahr 1188, das der Insel Verlag 1988 in einer Weltauflage von 950 Exemplaren gedruckt hat. Durch eine Schenkung des Duisburger Architekten Helmut Kohl besitzt die Stadtbibliothek das Exemplar Nr. 325. Rund 200 Pressendrucke und Buchobjekte des 20. Jahrhunderts vervollständigen die Sammlung.

Die Sammlung vereinigt aktuell insgesamt rund 3.500 Druckwerke, die einen erlesenen Überblick über die Geschichte des Buches seit dem 14. Jahrhundert und des Buchdruckerhandwerks seit dem 15. Jahrhundert (anhand von Einbänden, Papieren, Drucktechniken und Illustrationen) geben. Die jetzt erstmals vorliegende Erfassung sämtlicher Titel in einem elektronischen Katalog ist das Verdienst von Heinz Rosin, der sich als Lektor der Stadtbibliothek Duisburg nach dem Ausscheiden von Dr. Jörg Fligge mit fachlichem Verstand und großer Hingabe um die Sammlung bemüht hat. Der Aufbau der Sammlung ist neben den erwähnten Persönlichkeiten und Einrichtungen vor allem auch der Duisburger Bürgerstiftung Bibliothek zu verdanken, die seit ihrer Gründung im Jahre 1996 die Finanzmittel zum Ankauf ausgewählter Einzelwerke und Werkausgaben bereitgestellt hat.

Darüber hinaus ist der Bürgerstiftung die Finanzierung dieses Katalogs und der in ihm enthaltenen Fotografien von Britta Lauer zu verdanken. Der Druck wurde durch großzügige Spenden der Sparkasse Duisburg und der Multi Development Germany GmbH ermöglicht. Der Katalog macht auf einen Schatz in der Stadtbibliothek aufmerksam, der in Duisburg und über die Stadtgrenzen hinaus Beachtung verdient.

Dr. Jan-Pieter Barbian
Direktor der Stadtbibliothek Duisburg