Titel:

Antisemitische Ausschreitungen in Duisburg, März 1933: Vor über 1000 Schaulustigen treibt ein SS-Trupp den Vorsteher der ostjüdischen Gemeinde am Stadttheater vorbei.

Foto:

Stadtarchiv Duisburg

Design:

Frau Gitta Hülsmann

Begleitprogramm zur Ausstellung "Deportiert ins Ghetto"

Begleitend zur Wanderausstellung "DEPORTIERT INS GHETTO - Die Deportationen aus dem Rheinland im Herbst 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz)" findet am Mittwoch, den 16. Januar 2019 um 18.00 Uhr ein Vortrag im Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie, Karmelplatz 5, Duisburg statt.
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Passfoto von Aenne und Emil Katz - 1939

Winter 1938/39: Über 10 000 minderjährige Kinder werden von ihren Eltern allein in Züge nach Großbritannien und den Niederlanden gesetzt, um deren Leben zu retten. Nach dem Novemberpogrom 1939 ahnten die deutsch-jüdischen Familien, dass nun ihr Leben bedroht war. Was geschah mit den zurückbleibenden Eltern?

 

Duisburg. Begleitend zur Wanderausstellung "DEPORTIERT INS GHETTO - Die Deportationen aus dem Rheinland im Herbst 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (?ód?)" findet am Mittwoch, den 16. Januar 2019 um 18.00 Uhr ein Vortrag im Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie, Karmelplatz 5, Duisburg statt.

Anhand einer außergewöhnlich großen Anzahl von erhaltenen Briefen schildert Dr. Bernd Schminnes die verzweifelte Lage des Ehepaars Katz: Es konnte zwar seine minderjährige Tochter vor der nationalsozialistischen Verfolgung retten, kämpfte selbst aber vergebens um eine Flucht aus Deutschland und wurde im Herbst 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (?ód?) deportiert. Die Tochter blieb in England ohnmächtig und ohne Nachricht zurück.

 

Der Vortrag versucht nachzuzeichnen, wie deutsche Juden auf die Entwicklung der nationalsozialistischen Politik - der Diskriminierung, Beraubung und Verfolgung - reagierten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Jahren 1938-1941. Nach den Erfahrungen des Novemberpogroms 1938 bemühten sich diese trotz zahlreicher Rückschläge mit großer Zähigkeit darum, aus Deutschland auszuwandern. Aber durch die räuberische Politik der Nazis, durch die Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen des Auslandes und durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges hatten nur einige das Glück, rechtzeitig ausreisen zu können. Die Zurückbleibenden wurden zermürbt durch hilfloses Warten, nahmen sich das Lebens, als sie der Deportationsbefehl erreichte, oder kämpften selbst noch im Ghetto oder im Konzentrations­lager ums Überleben, wie die Eltern Katz, um vielleicht doch noch die eigene Tochter wiederzusehen.

 

Heute sind wieder zahlreiche minderjährige Kinder und Jugendliche in der Europäischen Union gelandet. Ihre Eltern haben sie nach Europa geschickt, um sie vor Verfolgung und Krieg zu retten. Die Erinnerung an die Lebensumstände deutsch-jüdischer Familien damals mag dazu beitragen, das Erleben der Flucht und der Ohnmacht, die eigenen Eltern und Verwandten nicht retten zu können, zumindest zum Teil nachzuvollziehen, auch wenn uns das ganze Ausmaß solcher Schicksale unbegreiflich bleiben wird.

 

Dr. Bernd Schminnes ist Historiker und rekonstruierte 1986 die Geschichte der Familie Katz im Auftrag der damaligen Gedenkstätte Alte Synagoge, Essen. Er betreibt heute in Xanten das Niederrheinische Büro für Geschichte.

 

Termin: 16. Januar 2018, 18.00 Uhr

Ort: Zentrum für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie, Karmelplatz 5

(Eingang: Stadtarchiv Duisburg)

Der Eintritt zum Vortrag ist frei.