Arbeit an der Erinnerungskultur


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Vorarbeiten der Düsseldorfer Künstlerin Hede Bühl zur Erinnerung an die Zerschlagung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933.


Foto: Stadt Duisburg

16.04.2015 "Noch viele Jahre lang habe ich nachts von Duisburg geträumt." Jüdisches Leben in Duisburg von 1918 bis 1945

Eröffnung der Ausstellung "Jüdisches Leben in Duisburg von 1918 bis 1945"

Am 16. April 2015, dem offiziellen Gedenktag an die Opfer der Shoa in Israel, hat Oberbürgermeister Sören Link im Kultur- und Stadthistorischen Museum die erste Ausstellung des Zentrums für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie über "Jüdisches Leben in Duisburg von 1918 bis 1945" eröffnet.
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Nach einer Begrüßung durch die Museumsdirektorin Dr. Susanne Sommer, einer Eröffnungsrede des Oberbürgermeisters und einem Grußwort von Jochebed Hermanns von der Jüdischen Gemeinde Duisburg, Mülheim-Ruhr, Oberhausen hat Anne Ley-Schalles als Kuratorin das Ziel und das Konzept der Ausstellung vorgestellt.

Mit der Ausstellung "Noch viele Jahre lang habe ich nachts von Duisburg geträumt. Jüdisches Leben in Duisburg von 1918 bis 1945" wendet sich das Duisburger Zentrum für Erinnerungskultur - nach dem "Round Table" mit den geschichtsengagierten Duisburger Vereinen und Akteuren im Oktober 2014 und den ersten Treffen des im Dezember 2014 konstituierten pädagogischen Fachkreises -einer breiteren Öffentlichkeit zu. Bewusst wählt das Zentrum dafür ein Thema, das seit jeher und nicht nur in Duisburg im Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte steht.

In Duisburg war die jüdische Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, trotz vieler und verbreiteter Ressentiments, besser in die Stadtgesellschaft integriert als jemals zuvor. Ab 1933 wurde alles ganz anders: Sofort mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten setzten offene und gelenkte Diskriminierungen gegen die jüdische Bevölkerung ein. Ein Großteil der Duisburger akzeptierte aus einer Mischung von Zustimmung, Gleichgültigkeit und zunehmender Angst die Maßnahmen des NS-Staates zur Judenverfolgung und unterstützte sie dadurch. Nicht wenige profitierten etwa von Berufsverboten, frei werdenden Wohnungen oder Zwangsverkäufen. Als sich die Verfolgungsmaßnahmen - spätestens mit der Pogromnacht und dem Beginn des 2. Weltkriegs - zuspitzten und schließlich in die organisierte Vernichtung führten, waren die meisten Deutschen in erster Linie darum besorgt, ihre eigene Familie und Freunde möglichst unauffällig und sicher durch den Krieg zu bringen. So nahmen auch in Duisburg die Bürgerinnen und Bürger hin, dass das jüdische Leben in der Stadt zwischen 1942 und 1944 ausgelöscht wurde. Und zwar so vollständig ausgelöscht wurde, das heute außer wenigen Schriftstücken in Archiven und in Privatbesitz so gut wie keine gegenständliche Überlieferung in Duisburg mehr existiert.

Für das Zentrum für Erinnerungskultur war es gerade vor diesem Hintergrund fast selbstverständlich, dem jüdischen Leben in Duisburg seine erste Ausstellung und damit eine ganz besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Nach dem Krieg hatte es lange gedauert, bis die Verfolgung der Juden in der Gesellschaft überhaupt thematisiert wurde. Der Blick der Nachkriegszeit war auf den Wiederaufbau, später auf den neuen Wirtschaftsaufschwung gelenkt. Erst um 1970 veränderte sich mit dem allgemeinen Bewusstseinswandel in der Bundesrepublik das politische und kulturelle Klima und ermöglichte die kritische Auseinandersetzung der Jüngeren mit dem Verhalten ihrer Eltern und der Großelterngeneration während der NS-Zeit.

Die Ausstellung "Jüdisches Leben in Duisburg von 1918 bis 1945", die auf einer fundierten historischen Forschung zur jüdischen Geschichte in Duisburg aufbauen kann und diese Forschung durch eigene neue Funde ergänzt, schaut bewusst über die zeitliche Grenze von 1945 hinaus bis in die Gegenwart. Sie macht deutlich, wie das Thema der Judenverfolgung Eingang in die Erinnerungskultur der Stadt gefunden hat; und sie zeigt darüber hinaus, wie - nicht zuletzt mit der neuen Synagoge am Innenhafen - jüdisches Leben in der Gegenwart wieder zu einem festen Bestandteil der Duisburger Stadtgesellschaft geworden ist.

Zur Ausstellung erscheint eine Begleitband im Mercator-Verlag. Am Sonntag, dem 19. April, hatten Besucher von 12 bis 17 Uhr die Gelegenheit, bei freiem Eintritt die Ausstellung zu besuchen. Das Angebot fand regen Zuspruch. Zu jeder vollen Stunde gab es Führungen durch die Ausstellung; Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zentrums für Erinnerungskultur standen für Fragen und vertiefende Gespräche zur Verfügung.