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Antisemitische Ausschreitungen in Duisburg, März 1933: Vor über 1000 Schaulustigen treibt ein SS-Trupp den Vorsteher der ostjüdischen Gemeinde am Stadttheater vorbei.

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Stadtarchiv Duisburg

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Frau Gitta Hülsmann

24.06.2015 "Schade das du Jude bist" - Walter Kaufmann im Zeitzeugengespräch mit seinem Verleger

Auf Einladung des Zentrums für Erinnerungskultur, Menschenrechte und Demokratie berichtete gestern der Schriftsteller Walter Kaufmann im Kultur- und Stadthistorischen Museum aus seinem Leben. Die Veranstaltung fand im Begleitprogramm zur Ausstellung "Jüdisches Leben in Duisburg von 1918 bis 1945" statt, die noch bis Januar 2016 im Stadtmuseum zu sehen ist und zu der am kommenden Sonntag (28. Juni) um 15 Uhr auch wieder eine öffentliche Führung angeboten wird.
H. Kaufmann und VerlegerGroßbildansicht

Walter Kaufmann, 1924 in Berlin geboren, wurde im Alter von drei Jahren von dem Duisburger Rechtsanwalt Sally Kaufmann und seiner Frau Johanna adoptiert. Mit Beginn der NS-Herrschaft sah sich die jüdische Familie Kaufmann wachsenden Aggressionen und später offenen Verfolgungen ausgesetzt. Walter Kaufmann gelang 1939 mithilfe eines Kindertransports die Flucht nach England, von wo aus er bei Kriegsausbruch weiter nach Australien verschleppt wurde. Sein Vater Sally Kaufmann, der seit 1936 letzter Vorsitzender der Duisburger jüdischen Gemeinde war, und seine Mutter konnten Deutschland nicht mehr verlassen. Sie wurden über Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Vor über 120 Zuhörer(inne)n im Kultur- und Stadthistorischen Museum erzählte Walter Kaufmann über seine Kindheit in Duisburg. Kaufmanns Erzählung wurde begleitet durch Ausschnitte aus dem Hörfunkfeature "Schade, dass Du Jude bist". Volker Dittrich, der als Kaufmanns Verleger dieses Feature erstellt hat, führte mit Fragen an den Autor durch das bewegte Leben. Neben der Zeit in Duisburg mit den schrecklichen Erlebnissen der Judenverfolgung berichtete Kaufmann auch über seine Rettung aus Nazi-Deutschland und über die Großherzigkeit, die ihm insbesondere in Australien begegnete.

Dank der anschaulichen und persönlichen Schilderung Kaufmanns erlebten die Zuhörer, darunter zahlreiche Schülerinnen und Schüler, eine beindruckende und berührende Begegnung mit einem der letzten Holocaust-Überlebenden aus Duisburg.

In Ergänzung zur öffentlichen Veranstaltung fand heute im Rathaus ein Zeitzeugeninterview mit Walter Kaufmann statt. Das Interview führten PD Dr. Ludger Heid und Robin Heun. Das Interview wurde filmisch mitgeschnitten und wird dadurch zukünftig der historischen Bildungsarbeit des Zentrums für Erinnerungskultur zur Verfügung stehen