Beteiligung & Kooperation

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Ein integrierter Handlungsansatz zielt auch darauf ab, eine Vielzahl der Akteure in der Stadt, also Bürger, Investoren und Unternehmen, Verwaltung und Politik in die Gestaltung der Stadt einzubeziehen. Ziel ist es, das Bewusstsein für Stadtentwicklung zu schärfen, und durch vertrauensvollen und fairen Umgang miteinander Ressourcen und Engagement freizusetzen. Neben öffentlichen Veranstaltungen und offenen Angeboten zur Mitwirkung sollen auch Kooperationen den Stadtentwicklungsprozess befördern. Dabei sollen explizit bereits vorhandene Engagements und Initiativen aufgegriffen und neues Engagement initiiert werden.

Einbindung relevanter Akteure aus Stadtgesellschaft und Wirtschaft

Duisburg betritt dabei neue Wege der Beteiligung: "Wie wollen wir in Zukunft wohnen und arbeiten?" wird als Leitfrage an die Stadtgesellschaft im Prozess 2027 gestellt. Die frühe und dialogorientierte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, zeitgleich zur Erarbeitung städtischer Konzepte und die selbstständige Organisation von Bürgerforen in den Stadtbezirken stellen einen solchen Ansatz dar. Auf Stadtbezirksebene werden Workshops zu Teilräumlichen Strategiekonzepten durchgeführt. Diese dienen als öffentliche Plattform für eine konstruktive Diskussion der erarbeiteten räumlichen Entwicklungsperspektiven für Wohnen, Wirtschaft, Freiraum und Umwelt sowie möglicher Alternativlösungen für einzelne Flächennutzungen. Dabei wurden auch zielgruppenspezifische Beteiligungen vorgenommen.

Die vom Rat der Stadt verabschiedeten Leitlinien der Interkulturellen Urbanität, die in enger Kooperation des Projektes 2027 und dem Referat für Integration erarbeitet wurden, behandeln die Herausforderungen, die durch die unterschiedlichen Lebensstile und den Austausch innerhalb der Bevölkerung bestehen. Daneben wird mit der Strategie Gender Mainstreaming in der Stadt Duisburg der, durch Geschlechterdifferenzierung in der gesellschaftlichen Wirklichkeit, politische Handlungsbedarf angegangen. Die sozial und kulturell geprägten Geschlechterrollen von Frauen und Männern werden auch in der Stadtentwicklung betrachtet. Darüber hinaus nimmt der Seniorenbeirat der Stadt als Vertretungsorgan erfolgreich die Interessen der älteren Mitbürger war. Durch den Beirat für Menschen mit Behinderung werden Projekte und Maßnahmen auf die unterschiedlichen Belange geprüft.

Als öffentlicher Belang ist Gender Mainstreaming in der Stadtplanung zu berücksichtigen. Unter dem Begriff Gender wird das Geschlecht als gesellschaftliche Strukturierungskategorie betrachtet. Die sich hieraus ergebenden spezifischen Lebenssituationen mit unterschiedlichen Bedürfnissen sollen "chancengleich" behandelt werden. Ziel ist es, Chancengleichheit in der Stadtentwicklung und Städtebaupolitik herzustellen, so dass Räume gleichberechtigt durch Mädchen und Jungen, Jugendliche, Frauen und Männer genutzt werden und eine gleichberechtigte Teilhabe an ihnen besteht. Eine geschlechtersensible Stadtplanung bezieht sich unter anderem auf die "Vereinbarkeit von Erwerbs- und Versorgungsarbeit", Mobilität, Freiraumangebot, Wohnen, Wohnen und Sicherheit sowie Partizipation insbesondere im Rahmen des Planungsprozesses. Daraus lassen sich folgende Kriterien für die städtebauliche Entwicklung des Integrierten Handlungskonzeptes für die Innenstadt ableiten.

Unter Gender - Gesichtspunkten ist die Funktionsfähigkeit der Zentren, als zentrales Anliegen des integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt, ein wichtiges Ziel. Die räumlichen Bedürfnisse von Frauen sind u.a. aufgrund der Koordinierung von Erwerbs- und Versorgungsarbeit z.B. hinsichtlich Wegeketten und ÖPNV-Nutzung distanzempfindlicher. Gleiches gilt für Männer, wenn Sie diese "Rolle" erfüllen. Daher ist eine wohnortnahe Versorgung und ein vielfältiges Angebot aus kulturellen, sozialen und öffentlichen Einrichtungen in den Zentren im Sinne der "Stadt der kurzen Wege" zu sichern ein Beitrag zur Chancengleichheit in der Stadtplanung. Bereits bei der Erarbeitung des Masterplans Innenstadt, der den Rahmen für das vorliegende IHI abbildet, wurden Genderbelange intensiv diskutiert und Forderungen formuliert. Die Umsetzung des Katalogs der "Frauenforderungen/Empfehlungen an eine nachhaltige Innenstadtentwicklung in Duisburg" ist Querschnittsaufgabe der Verwaltung und erfolgt in Kooperation mit dem Frauenbüro.

"Interkulturelle Urbanität" ist eins von sechs strategischen Leitzielen der Stadt Duisburg im Rahmen von Duisburg 2027. Was "Interkulturelle Urbanität" genau bedeutet und wie dieses Leitziel anzusteuern ist, das beschreiben die Leitlinien, die vom Referat für Integration und dem Projektteam Duisburg 2027 erarbeitet und vom Rat der Stadt beschlossen wurden. Mit der Etablierung von Ansprechpartner für interkulturelle Belange (AfiB) wird das Thema Vielfalt im jeweiligen Arbeitsbereich verankert und der Blick im Verwaltungsalltag geschärfen. Als Multiplikatoren sollen sie Informationen in ihren jeweiligen Fachbereich hineintragen, die Umsetzung der städtischen "Leitlinien der interkulturellen Urbanität" begleiten und Bedarfe aus der alltäglichen Verwaltungspraxis ermitteln. Dabei stehen sie in regelmäßigem Kontakt zum Referat für Integration, das den Prozess steuert.  Bei der Umsetzung des Handlungskonzeptes wird insbesondere beim Altstadtmanagement das Potential des interkulturellen Mehrwerts eine wichtige Rolle spielen, der sich bereits in einer vielfältigen und stabilen Wirtschaftsstruktur wiederspiegelt. Der Anteil an Existenzgründern durch Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wächst insbesondere im Bereich der personenorientierten Dienstleistungen und birgt auch weiterhin großes Potential. Hiervon sollen auch die innerstädtischen Lagen, insbesondere die Altstadt, profitieren.

Diese relevanten Querschnittsbelange sind strukturell in der Stadt verankert und finden auch Berücksichtigung in den Planungsprozessen sowie bei der Umsetzung des Integrierten Handlungskonzeptes.

Die städtische Veranstaltungsreihe "Stadtentwicklung im Dialog", die aktuelle Themen der Stadtentwicklung zur Debatte stellt, kann genutzt werden, um die Umsetzung des Integrierten Handlungskonzeptes Innenstadt diskursiv zu begleiten. Auch für die Umgestaltung des Bahnhofsplatzes wurde zum Thema "Ein Platz für alle!? - Neue Verkehrskonzepte für die Stadt" dieses etablierte Diskussionsforum genutzt.

Neben der Gesellschaft für Wirtschaft, die Unternehmen in verschiedenen Phasen und mit Experten und Netzwerken unterstützt, vermittelt das etablierte Genehmigungsportal InvestSupport zielorientiert zwischen Investoren und der Behörde zur Beschleunigung von Abstimmungsprozessen und Erhöhung der Sicherheit von Standortentscheidungen.

Transparenz im Prozess

Auch auf der operativen Ebene werden Beteiligungsformate initiiert. Für das bedeutende Projekt Bahnhofsplatz, dem Entree der Stadt Duisburg, führt die Stadtverwaltung einen breit angelegten Beteiligungsprozess im Rahmen einer "Charrette" durch. Durch dieses gemeinsame Diskutieren und Planen mit Bürgern und den relevanten Akteure vor Ort, die mediale Präsentation und Öffentlichkeitsarbeit wird dabei ein hohes Maß an Transparenz erreicht.

Kooperationen stärken

Neben den verschiedenen Beteiligungsansätzen in Planungsprozessen bestehen Strukturen, die weitere Kooperationen befördern.

Die Duisburg Marketing Gesellschaft (DMG) bildet zusammen mit Institutionen und Vertretern der Privatwirtschaft eine Public-Private-Partnership für die Innenstadtentwicklung. Gemeinsam werden Konzepte und Maßnahmen entwickelt, um die Attraktivität der Innenstadt zu stärken. Zentrale Säulen sind der Verein City-Management Duisburg und der City-Manager. Konkret werden z.B. im Projekt Flächenrecherche-System FREE ein Angebot für Einzelhandel und Dienstleister gemacht, zur Unterstützung bei der Recherche und der Vermittlung von gewerblichen Immobilien. Das Projekt "Sta(d)tt.Wohnzimmer - Duisburger Tapetenwechsel" von 2009, im Rahmen von "Ab in die Mitte! Die City-Offensive NRW" ist ein gelungenes Beispiel für die Kooperationsbereitschaft in der Innenstadt. In Kooperation mit Gewerbetreibenden und Anrainern wurde, unter anderem mit neuen temporären Sitzelementen,  ein wirkungsvoller Beitrag im öffentlichen Raum hervorgebracht und eine emotionale Bindung der Bürger an die neue Innenstadt und den Prozess der Umsetzung des Masterplan Innenstadt bewirkt. 

Für kleinräumige Lagen gibt es diverse informelle Kooperationsansätze. Das Standort Marketing Innenhafen bietet durch regelmäßig stattfindende Treffen der Anrainer Austausch- und Kooperationsmöglichkeiten an. Der Versuch der Überführung der informellen Kooperationen am Sonnenwall in eine formelle Immobilien und Standortgemeinschaft - ISG Sonnenwall - konnte jedoch nicht erfolgreich zum Abschluss gebracht werden.

Für die Stadt ist die Kooperationsgemeinschaft Wohnen und Leben in Duisburg - WoLedu - bestehend aus Wohnungsunternehmen, Haus- und Grundeigentümervereine sowie Mietervereinen und wohnungsnahe Dienstleistungsunternehmen ein wichtiger Partner. Sie verfolgt das Ziel durch abgestimmtes Handeln Duisburg als attraktiven Wohn- und Lebensraum zu etablieren. Dabei ist ein gemeinsames Auftreten und Standortmarketing unter der Marke WoLeDu sowie die Ausweitung der Netzwerkstruktur und Kooperationen bereits geschehen.

Um eine größere Anzahl möglichst schon organisierter Eigentümer zu erreichen, beabsichtigen die Stadt Duisburg und die Haus- und Grundeigentümervereine zu kooperieren und in Zukunft Ideen zur Aktivierung von Einzeleigentümern partnerschaftlich zu entwickeln und umzusetzen.

Initiativen aufgreifen

Aktuell sind neue Initiativen in der Stadtgesellschaft entstanden, die im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes aufgegriffen werden wie für den Wiederaufbau des Mercatorhauses, die Aufwertung des Kantparks und die Gründung einer "Rockakademie", die Ideen, Engagement und Ressourcen mitbringen und die künftige Entwicklung der Innenstadt verantwortlich mitzugestalten wollen.

Einbindung der Stadtgesellschaft und Förderung von Kooperationen

Das Integrierte Handlungskonzept greift die vorhandenen Kooperationen und Initiativen auf und führt mit einer Innenstadtkonferenz ein neues Instrument zur Steuerung der Innenstadtentwicklung ein. Mit der Einbindung der Stadtgesellschaft in die Planungsprozesse und einem transparenten Vorgehen in den Entscheidungen soll eine gute Stadtplanungskultur und eine hohe Identifikation der Duisburger Bürger mit ihrer Stadt entstehen.