Mobilität

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Haupterschließung der Duisburger Innenstadt

Auf Grundlage des Masterplanes Innenstadt hat die Planersocietät ein Verkehrskonzept für die Duisburger Innenstadt erstellt. Das Innenstadtverkehrskonzept ist dabei als Rahmenplan mit den langfristigen Zielen zur Verbesserung der Verkehrssituation in der Duisburger Innenstadt zu verstehen. Während der Masterplan Innenstadt die groben Ziele für den Verkehr benennt und erste Maßnahmen skizziert, wurden im Rahmen des Konzeptes gestalterische Fragen konkretisiert und die Verkehrsauswirkungen der geplanten Nutzungsergänzungen analysiert. Zudem wurde eine Grundkonzeption für die Verkehrsführung erarbeitet und neue Wege zu einer nachhaltigen Mobilität aufgezeigt. Das Hauptziel ist eine nachhaltige, urbane Mobilität, bei der die Verkehrsmittel des Umweltverbunds - Busse und Bahnen sowie Rad- und Fußverkehr - im Mittelpunkt stehen. Wege zur Erreichung dieses Ziels sind dabei vor allem die Reduzierung von Durchgangsverkehren und die Stärkung nachhaltiger Mobilitätsformen. Das Konzept beschreibt folgende fünf Säulen für eine nachhaltige Mobilität: "Ein Kfz-Verkehr, der verträglich und integrierend in die Innenstadt eingebunden wird, Nahmobilität mit neuen Qualitäten und Komfortnetzen für Fußgänger und Radfahrer, ÖPNV-Förderung mit einem Ausbau und einer besseren Vertaktung und Vernetzung von Bussen und Bahnen, ein maßvolles Parkplatzangebot, das gut organisiert an den Innenstadträndern den Kfz-Verkehr abfängt und verträglich abwickelt und zu guter letzt auch eine Mobilitätskultur, die unterstützend wirkt und mit "weichen" begleitenden Maßnahmen die "neuen" Wege vermarktet und kommuniziert". Vor allem im Bereich der Stärkung der nachhaltigen Mobilität wurden bereits erste Maßnahmen umgesetzt.

Optimierung der Verkehrsfunktionen

Die Duisburger Innenstadt ist mit den Bundesautobahnen A40 und A59 und drei Anschlussstellen in direkter Nähe zur Innenstadt sehr gut an das übergeordnete Straßennetz angebunden. Zusammen mit der Verbindung Plessingstraße/ Kremerstraße bilden die Autobahnen einen gut ausgebauten äußeren Ring. Die innere Erschließung der Innenstadt erfolgt über radialartig verlaufende Hauptverkehrsstraßen, die größtenteils in einen ringförmigen Straßenzug um den Haupteinkaufsbereich der Innenstadt münden. Sowohl die Mercatorstraße am Hauptbahnhof als auch die Steinsche Gasse sind Verkehrsachsen, die mit ihren derzeit hohen Kfz-Belastungen und den z.T. überdimensionierten Fahrbahnflächen den Innenstadtbereich auch stark einschnüren. Da sie auch wichtige Innenstadtbereiche durchschneiden, wie am Bahnhof; Münzstraßenquartier und am Innenhafen, müssen sie nicht nur wichtigen verkehrlichen, sondern auch besonderen städtebaulichen Ansprüchen genügen.

Bei der Straßenraumqualität zeigt sich ein sehr heterogenes Bild. Positiv stechen die wassernahen Bereiche um den zentralen und östlichen Innenhafen, Teile des Wasser- und Dellviertels sowie die Königstraße rund um den neugestalteten König-Heinrich-Platz hervor. In den Wohnvierteln der Innenstadt finden sich insbesondere im gründerzeitlich geprägten Wasserviertel attraktive Straßenräume mit großzügigen Gehwegen und attraktivem Baumbestand. Die meisten Hauptverkehrsstraßen besitzen dagegen nahezu durchweg eine geringe bis sehr geringe Aufenthaltsqualität. Neben der häufig baumlosen Gestaltung sowie Lärm- und Luftbelastungen sind es auch die teils extremen Missverhältnisse in den räumlichen Proportionen, die zu der negativen Bewertung beitragen. Das überwiegend anzutreffende Verhältnis zwischen Fahrbahn und Seitenraum beträgt an den Hauptverkehrsstraßen etwa 75:25 %, d.h. die Fahrbahnflächen für den motorisierten Verkehr sind ca. drei mal so breit wie die Flächen für Fußgänger und ggf. Radfahrer. Als positiv gelten im Rahmen der städtebaulichen Bemessung Werte von etwa 40:60 %. So sollte ein Grundprinzip darin bestehen, Verkehrsräume und v.a. Knotenpunkte auf ihr verkehrlich notwendiges Mindestmaß zu beschränken und mit den neu gewonnen Bereichen den außenliegenden Fußgängerbereichen mehr Platz und Aufenthaltsqualitäten zu gewähren. Diese Defizite werden unter anderem im Straßenbaumkonzept aufgegriffen, welches eine Verbesserung der Gestaltungsqualität der Straßenräume durch Erhöhung des Grünanteils vorsieht.

Eine wesentliche Herausforderung für das Verkehrsnetz der Innenstadt stellt der erforderliche Umbau des Marientor dar. Der Verkehrsknotenpunkt am Marientor hat eine hohe Bedeutung für den Logistikstandort Duisburg und als Stadteingang der Innenstadt - und damit eine in der möglichen Straßenraumgestaltung schwierige Doppelfunktion. Für die notwendigen Umbaumaßnahmen muss daher ein verkehrlich tragfähiger, städtebaulich vertretbarer und vor allem finanzierbarer Entwurf erarbeitet werden. Eine Lösung steht derzeit noch aus. Vor dem Hintergrund der Auswirkungen auf die übrigen Straßen werden neue Lösungen erarbeitet, um eine Überlastung des umliegenden Verkehrsnetzes zu vermeiden. Die zukünftige verkehrliche Umgestaltung des Bereiches der Schwanenstraße/ Steinschen Gasse/ Burgplatz muss sich in seiner Leistungsfähigkeit entsprechend anpasssen.

Mit dem Umbau der Mercatorstraße wird ein weiterer zentraler Punkt der verkehrlichen Neuregelung in Angriff genommen. Durch ein lineares Querungsband und eine Reduzierung um je eine Fahrspur pro Richtung charakterisiert. Die Reduzierung der Fahrstreifen wird erst nach Fertigstellung der Anschlussstelle Duisburg- Zentrum vorgenommen. Im Hinblick auf die Reduzierung der Verkehrsfläche wird durch die Einrichtung einer Busschleuse eine Bevorzugung der Buslinien erreicht. Dies ist angesichts der Fahrspurreduzierung von besonderer Bedeutung, um dem Ziel der besonderen Förderung des ÖPNV zu entsprechen.

Die Duisburger Innenstadt ist als Teil des Rhein-Ruhrraums in ein dichtes Geflecht von Linien der öffentlichen Verkehrsmittel eingebunden. Der Bus übernimmt die Feinerschließung der Quartiere und erschließt den Wachstumsbereich rund um den Innenhafen. Die Buslinien erschließen darüber hinaus die südlich der City gelegenen Stadtteile und vor allem das linksrheinische Stadtgebiet dort angrenzenden Kommunen. Die Straßen- und Stadtbahnlinien erschließen den wichtigen Einkaufsbereich um die Königstraße und die rechtsrheinisch gelegenen Stadtteile Duisburgs. Darüber hinaus bestehen auch stadtübergreifende Stadt-/Straßenbahn-Linien bis nach Düsseldorf oder Mülheim. Die Duisburger Innenstadt hat eine gute Erreichbarkeit, da sie aus nahezu allen Stadtteilen ohne Umstieg erreicht werden kann (vgl. Innenstadtverkehrskonzept). Insgesamt wird durch die Maßnahmen im Umfeld des Hauptbahnhofes die Verknüpfungsfunktionen in der Duisburger Innenstadt gestärkt.

Für den motorisierten Individualverkehr (MIV) wurde ein dynamisches Parkleitsystem für die Duisburger Innenstadt in Betrieb genommen. Das Ziel des Parkleitsystems ist es, den Parksuchverkehr zu reduzieren. Durch die Hinweisschilder des Parkleitsystems kann der Autofahrer schnell und zielorientiert eine Parkmöglichkeit finden. In das System sind 16 Parkhäuser und ein Parkplatz mit insgesamt rund 5.000 Parkplätzen eingebunden. In den an die Handelslage angrenzenden Wohngebieten wurde ein großräumiges Bewohnerparksystem eingerichtet.


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Radrouten und Stationen in der Innenstadt

Verbesserung und Attraktivierung der Fuß- und Radwegeverbindungen

Im Bereich der nachhaltigen Mobilität wurde bereits mit der Ergänzung von Radverkehrsanlagen auf den innerstädtischen Straßen begonnen, um die Lücken im Netz zu schließen und attraktive Routen für den schnell fahrenden, die Innenstadt querenden Fahrradverkehr zu schaffen. Hierdurch wurde bereits eine Verbesserung für die nachhaltige Mobilität erreicht. Ziel ist es insgesamt drei Nord-Süd und drei Ost-West Verbindungen für Radfahrende im Bereich der Duisburger Innenstadt auszubauen. Derzeit sind bereits die Ost- West Verbindungen über die Landfermannstraße und in weiten Teilen über die Kardinal-Galen-Straße realisiert. Die, aufgrund ihrer Breite und den heutigen Fußgängerfrequenzen für den Radverkehr geöffnete Fußgängerzone Königstraße, soll künftig vor allem dem Ziel- und Quellverkehr dienen. Durch die Entwicklung der "Duisburger Freiheit" und die Gestaltung des Bahnhofsplatzes inklusive der geplanten Radwegeverbindung wird eine wichtige Nord-Süd Verbindung qualifiziert und eine Verbindung an den "Grünen Ring" hergestellt (siehe Handlungsfeld Umwelt und Grün).

Ein weiterer Baustein ist die Öffnung der Einbahnstraßen für den Radverkehr in der Innenstadt und die Ausschilderung der städtischen Velorouten als Ergänzung zum Landesradverkehrsnetz , die derzeit geprüft und vorbereitet wird. In den letzten Jahren konnte zudem der Ausbau des Mietradsystems "metropolradruhr" vorangetrieben werden. Inzwischen gibt es an 30 Stationen im Stadtgebiet Fahrräder zu mieten. In Kombination mit Tickets des VRR stellt das "metropolradruhr" eine ideale Ergänzung zum Stadtverkehr dar. Um das Ziel Stärkung des Radverkehrs und Ausbau des Anteils am Gesamtverkehr verkehrspolitisch zu untermauern, ist Duisburg seit 2009 Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e.V.. Mit der Anschaffung von Diensträdern für Dienstfahrten im Stadtgebiet zeigt die Stadt Duisburg aktiv eine Alternative zum MIV auf und nimmt eine Vorbildfunktion für eine neue Mobilitätskultur ein.

Qualifizierung von zentralen Wegeverbindungen

Ein wesentliches Defizit in der Duisburger Innenstadt stellt die mangelnde Orientierung dar. Der gebaute Raum weist oftmals keine ausreichenden Orientierungspunkte auf. In Duisburg wird dies besonders am Beispiel der Wegebeziehungen zwischen den Ausgangspunkten Hauptbahnhof und Handelslage und dem Innenhafen als Ziel deutlich. Das eigentlich als Ergänzung und Unterstützung dienende Leitsystem ist in seinen Zielpunkten nicht mehr aktuell und nur noch in Fragmenten vorhanden und wird somit den Anforderungen an eine durchgehende Wegweisung nicht mehr gerecht. Als Ergänzung wurden daher in den letzten Jahren vermehrt weitere Hinweisschilder installiert. Diese Vielzahl und Heterogenität der angebrachten Hinweisschilder führt zu einer negativen Prägung des öffentlichen Raumes. Zur Verbesserung würde ein einheitliches und durchgängiges Fußgängerleitsystem als Ergänzung zu der gebauten städtebaulichen Wegweisung führen, welches die Besucher und Kunden der Duisburger Innenstadt zu den vielfältigen Zielen und Angeboten leitet und eine gute Orientierung zwischen den unterschiedlichen Zonen der Innenstadt schafft. Die mittelfristige Realisierung eines durchgängigen Fußgängerleitsystems wird geprüft. Aufgrund zurückliegender Planungen gibt es bereits eine Konzeption mit Quell- und Zielpunkten sowie Standorten für ein Fußgängerleitsystem, dessen Umsetzung derzeit nicht finanzierbar ist. Kurzfrist werden Verbesserung im Rahmen der anstehenden Maßnahmen, zum Beispiel durch Verbesserung der baulichen Orientierung erreicht. Dabei sind auch die Anforderungen an Barrierefreiheit sowohl im Hinblick auf Familienfreundlichkeit als auch für ältere Menschen zukünftig verstärkt zu beachten.

Verbesserung der Verkehrsfunktionen und der Nahmobilität

Insgesamt konnten in den letzten Jahren zur Stärkung der nachhaltigen Mobilität, vor allem im Radverkehr, bereits einige Maßnahmen umgesetzt und Erfolge verzeichnet werden. Weitere Verbesserungen diesbezüglich werden durch die geplante Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr und laufende Baumaßnahmen erreicht. Der durch das Innenstadtverkehrskonzept vorgestellte konzeptionelle Ansatz muss den aktuellen Entwicklungen angepasst werden und Detaillösungen entwickelt werden. Zentral ist hierbei die Neugestaltung des Marientors. Mit dem Umbau der A 59 und der Umgestaltung der Mercatorstraße sowie der Verlegung des Fernbusbahnhofes werden aktuell wichtige Weichenstellungen vorgenommen.