Wohnen & Soziales

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Statistische Abgrenzung der Wohnquartiere

Mit einem Bevölkerungsanteil von 21,7% (105.670 Einwohner) ist der Bezirk Mitte ein bedeutender Wohnstandort. Er umfasst insgesamt 14 statistische Wohnquartiere, wovon die Quartiere City Nord, City Süd und Innenhafen innerhalb der Gebietskulisse des Integrierten Handlungskonzeptes liegen. In einem Quartiersmonitoring wurden sozialräumliche Indikatoren mit Anzeigern des Wohnungsmarktes verknüpft, um belegbare, strategische Aussagen zur Attraktivierung und zum Ausbau des innerstädtischen Wohnens treffen zu können. Im Zuge dieser soziökonomischen und wohnungswirtschaftlichen Analyse werden die drei innerstädtischen Quartiere anhand von 10 Indikatoren hinsichtlich ihrer Ist-Situation im Abgleich zur Gesamtstadt betrachtet.

Im Gegensatz zum gesamtstädtischen Kontext verzeichnet die Innenstadt eine positivere Bevölkerungsentwicklung. Gesamtstädtisch nahm die Bevölkerung in den letzten 12 Jahren um -5,2% ab. Die Bevölkerungsentwicklung in der Duisburger Innenstadt hingegen zeigte insbesondere seit dem Jahr 2000 mit +2,4% ein durchschnittlich positives Bevölkerungswachstum. Vor allem die Wohnraumentwicklung am Innenhafen hat mit +20,6% zum Bevölkerungszuwachs beigetragen. In der Summe der letzten 12 Jahre hat die Entwicklung in der Duisburger Innenstadt jedoch mit -0,2% ebenfalls einen negativen Trend mit Bevölkerungsverlusten erreicht, wenn auch wesentlich geringer als auf gesamtstädtischer Ebene. Die beiden Wohnquartiere City Nord und City Süd folgen mit -4,6% und -3,5% dem stadtweiten Trend.

Verbesserung der Wohnumfeldqualität

Die Fluktuationsrate von 16,4% ist in der Innenstadt als überdurchschnittlich zu bewerten, was jedoch für innerstädtische Lagen nicht ungewöhnlich ist. Innerhalb der innerstädtischen Wohnquartiere weichen die City Nord und City Süd wiederum deutlich mit 19,8% und 16,0% vom gesamtstädtischen Trend mit 8,9% ab. Die im innerstädtischen Vergleich geringe Fluktuation des Innenhafens mit 9,9% verdeutlicht die strukturellen Unterschiede. Der Innenhafen hebt sich durch seine städtebauliche und sozioökonomische Struktur von der City Nord und der City Süd deutlich ab. Eine hohe Fluktuation kann als ein Indiz herangezogen werden, um qualitative Verbesserungen in den Wohnungsbeständen und im Wohnumfeld zu fordern und diese zu unterstützen.

In den Jahren 2011/2012 wurden 47% aller Zuzüge nach Duisburg - also fast die Hälfte - von Ausländern bestritten. Davon richteten sich 42,4% auf die Innenstadt und vorzugsweise auf die City Nord und Süd mit 47,1% und 43,9% der Zuzüge. Wohnungsleerstände, relativ günstiger Wohnraum (City Nord: Ø ca. 4,60 Euro / qm) und etablierte soziale Netzwerke unterstützen diese Entwicklung, deren soziale und ethnische Segregationsauswirkungen in den betreffenden Quartieren bereits zu beobachten ist. Im Jahr 2012 hatten 15,9% der Duisburger Einwohner ausländische Wurzeln und 34,1% eine Zuwanderungsgeschichte. In der Innenstadt ist ein überdurchschnittlicher Ausländeranteil mit 18,8% vorhanden. Unterschiede zu beiden Aspekten lassen sich zwischen dem Innenhafen und der City Nord und Süd darstellen. Analog zur Fluktuation weisen die Daten auch auf Segregationstendenzen hin. In Duisburg lag mit 32.396 Arbeitslosen (SGB-II und SGB-III) im März 2013 der Anteil der Arbeitslosigkeit bei ca. 10%. In der Innenstadt waren zum gleichen Zeitpunkt 972 Personen arbeitslos gemeldet, was ebenfalls einer Quote von 10% entspricht. Für die Quartiersarbeit ist vor allem die Jugendarbeitslosigkeit - Arbeitslose der 15- bis u. 25-Jährigen - von Bedeutung, die im Jahr 2012 stadtweit bei 4,6% lag. Mit 10,7% besaß wiederum die City Nord den höchsten Anteil im Gegensatz zur City Süd mit 3,7% und dem Innenhafen mit nur 1,1%. In der Innenstadt zeigt sich, bis auf den Innenhafen mit 11,5%, ein überdurchschnittlicher Anteil an Kinderarmut (Nichterwerbsfähige SGB-II Empfänger in der Altersgruppe der unter 15-jährigen) von 38,2% und 30,1% in City Nord und City Süd.


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Sozialräumliche Indikatoren

Aufwertung des Wohnungsbestandes

Lösungen, um diese Entwicklung zu beeinflussen, sind jenseits von wohnungswirtschaftlichen Ansätzen bei arbeitsmarktpolitischen Projekten zu suchen. Durch neuen geförderten Wohnungsbau lässt sich jedoch über wohnungswirtschaftliche Ansätze geringverdienenden Haushalten ein vergleichsweiser qualitativ hochwertiger Wohnraum anbieten. Dabei können unterschiedliche Finanzierungsmodelle mit 100%iger Förderung oder mit Mischkalkulationen mit privaten Investments zum Tragen kommen.

In Duisburg standen im Jahr 2012 ca. 12.000 Wohnungen leer. Dies entspricht einem Wohnungsleerstand von 4,9%. Die Innenstadt liegt mit 5,1% im stadtweiten Durchschnitt, der sich zusammensetzt aus einem geringen Leerstand im Innenhafen von 2,1% und mehr als doppelt so hohen Leerständen von 6,4% und 5,1% in der City Nord und City Süd. Eine Aufwertung des Wohnungsangebotes und des Umfeldes in diesen beiden Quartieren ist notwendig, damit eine weitere Zunahme insbesondere des strukturellen Wohnungsleerstandes von sechs Monaten und länger verhindert werden kann. Vor allem die Qualifizierung und der adäquate Ausbau des anzutreffenden Wohnungsbestandes in der City Nord und City Süd ist aufgrund des durchschnittlich hohen Gebäudealters und der nicht ausreichenden  barrierenfreien und altersgerechten Ausstattung voranzutreiben. Neuer Wohnungsbau sowie sanierte Wohnungsbestände im Bereich der Innenstadt weisen eine hohe Nachfrage auf.

Ausbau innerstädtischer Wohnquartiere

Zur Attraktivierung des innerstädtischen Wohnungsbestandes ist gemäß den wohnungspolitischen Leitzielen des Sozialberichts 2010 "Kommunales Handlungskonzept WohnVision Duisburg" die Schaffung vielfältiger Wohnungsangebote und die Aufwertung des Wohnungsbestandes zielgruppenorientiert voranzutreiben. Dabei ist bei dem Ausbau innerstädtischer Wohnquartiere das Augenmerk auf vielfältige Wohnungsangebote im Mietwohnungsbau und zur qualitätsorientierten Eigentumsbildung für junge Familien, Single-Haushalte sowie für ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen zu legen. Die Schaffung von barrierearmem und barrierefreiem Wohnraum wird dabei einen wichtigen Aspekt der Bestandsentwicklung darstellen. Die Zielgruppe der Singles ist überdurchschnittlich hoch in der Innenstadt, auch aufgrund des Universitätsstandortes, vertreten. Der Anteil an Alleinerziehenden hingegen ist mit Hinblick auf die Gesamtstadt geringer. Dennoch sind hier attraktive Wohnungsangebote auch mit kleineren Zuschnitten anzudenken. Weitere Ansätze, wie Loftwohnungen, gemeinschaftsorientierte Wohn- und Baugruppenprojekte, Town-Houses sind unter der aktiven Beteiligung kooperationswilliger Wohnungsunternehmen und Privaten anzuvisieren und mit den bestehenden wohnungswirtschaftlichen Akteursnetzwerken, wie WoLeDu und den Haus- und Grundstückseigentümervereinen, voranzubringen.

Schaffung vielfältiger Wohnangebote

Die Kooperationsgemeinschaft Wohnen und Leben in Duisburg, kurz WoLeDu, hatte ihren Ursprung im Jahr 2002. Heute zählen insgesamt 38 Unternehmen zu den Kooperationspartnern mit 26 Wohnungsunternehmen, 4 Haus- und Grundeigentümervereine, 2 Mietervereine sowie 6 wohnungsnahe Dienstleistungsunternehmen. WoLeDu verfolgt das Ziel, Duisburg als attraktiven Wohn- und Lebensraum zu etablieren. Durch ein abgestimmtes und gemeinsames Handeln sollen Defizite auf dem Wohnungsmarkt abgebaut und Entwicklungspotenziale nachhaltig genutzt werden. Dies soll insbesondere durch eine frühzeitige und wechselseitige Information über geplante Entwicklungsmaßnahmen und Projekte, ein gemeinsames Auftreten und Standortmarketing unter der Marke WoLeDu sowie über die Ausweitung der Netzwerkstruktur und Kooperationen geschehen.

Im Rahmen der "WohnVision Duisburg" wurde die Kooperation mit den privaten Immobilieneigentümerinnen und Immobilieneigentümern als eine Handlungsempfehlung erarbeitet. Der Aufbau von Kooperationen und Netzwerken zielt auf die Kontaktaufnahme mit den Wohnungseigentümerinnen und Wohnungseigentümern im Quartier zum Aktivieren der Potentiale des bürgerschaftlichen Engagements ab. Dadurch sollen die Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Handeln, zur Stabilisierung und Belebung der Nachbarschaft gestärkt und Partizipationsmöglichkeiten zur Quartiersaufwertung eröffnet werden.

Um eine größere Anzahl möglichst schon organisierter Eigentümerinnen und Eigentümer zu erreichen, wollen die Stadt Duisburg und die Haus- und Grundeigentümervereine in Duisburg kooperieren und in Zukunft Ideen zur Aktivierung von Einzeleigentümerinnen und -eigentümern partnerschaftlich entwickeln und umsetzen. Mit den drei Haus- und Grundeigentümervereinen sowie dem Verein der Haus- und Grundeigentümer Groß-Duisburg e.V. wurde eine Kooperationsvereinbarung vorbereitet. Ziel der Kooperation ist es, gemeinsame Veranstaltungen und Projekte durchzuführen, darunter die Gründung eines "DBI-Netzwerkes für Duisburg zur Information & Beratung von privaten Immobilienbesitzern". Das Duisburger Beratungsnetzwerk DBI möchte den Immobilienbesitzerinnen und -besitzern einen Überblick über die Fülle an Informationen, Beratungsangeboten und Förderprogrammen rund um die Einzelimmobilie und deren Bedeutung für die Quartiersentwicklung samt Ansprechpartnerinnen und -partnern bieten.

Innerstädtisches Wohnen attraktivieren und ausbauen

Herausstechendes Merkmal für die Innenstadt ist die grundsätzlich positivere Bevölkerungsentwicklung im Gegensatz zur Gesamtstadt. Anhand der Indikatoren wird für das statistische Wohnquartier City Nord der höchste Handlungsbedarf deutlich. Die City Süd weist ähnliche Tendenzen auf, der Innenhafen hingegen positioniert sich überdurchschnittlich positiv. Die Qualifizierung und der adäquate Ausbau des Wohnungsbestandes in der City Nord und City Süd ist aufgrund des durchschnittlich hohen Gebäudealters und der Überiegend nicht ausreichenden barrierenfreien und altersgerechten Ausstattung voranzutreiben. In den innerstädtischen Wohnquartieren sind darüber hinaus vielfältige Wohnungsangebote im Mietwohnungsbau und zur qualitätsorientierten Eigentumsbildung zu schaffen und das Wohnumfeld entsprechend aufzuwerten. Die Innenstadt bietet entsprechende Potentiale für Wohnungsneubau und Attraktivierung des Wohnumfeldes, die in der Umsetzung des IHI angegangen werden sollen.