Aktivitätszone D | Altstadt-Süd

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Die Altstadt im Sinne der mittelalterlichen Stadt innerhalb der Stadtmauer wird im Nord-Westen durch den Innenhafen und im Westen durch die Marientorstraße bis zum Kreuzungsbereich mit der Steinschen Gasse begrenzt. Im Osten bildet der ringförmige Straßenverlauf entlang der ehemaligen Stadtmauer mit dem Sonnenwall, dem Kuhtor, dem Kuhlenwall und dem Springwall die Grenze. Die gewachsenen Altstadtstrukturen sind in Folge von Kriegsschäden und des Wiederaufbaus in weiten Teilen heute nicht mehr erlebbar. Prägend für die gesamte Altstadt ist der hohe Anteil an untergenutzten oder brachgefallenen Flächen. Vor den Kriegszerstörungen war die Altstadt dicht bebaut. Die Planungen der Nachkriegszeit mit Gebäudesolitären, breiten Verkehrsschneisen, zurückgebliebenen Brachen und Baulücken prägen heute das heterogene Bild der historischen Duisburger Altstadt.

Städtebauliche und funktionale Trennung der Altstadt

Insbesondere durch die Querung der Schwanenstraße wird die historische Altstadt in einen südlichen und einen nördlichen Teilbereich gegliedert. Neben dieser gravierenden städtebaulichen Zäsur gibt es auch deutliche funktionale Unterschiede, so dass die Bereiche für die weitere Betrachtung in die zwei Aktivitätszonen Altstadt-Süd und Altstadt-Nord gegliedert werden.

Der südliche Altstadtbereich zwischen Schwanenstraße und Marientorstraße stellte vor dem zweiten Weltkrieg die Hauptlage des Einzelhandels dar. Mittlerweile gliedert sich die Altstadt-Süd aufgrund einer funktionalen Vielfalt in verschiedene Teilbereiche.

Funktionsverlust und Trading-Down

Die Münzstraße, früher das Zentrum des Handels in Duisburg, stellt mittlerweile nur noch die Verlängerung der Haupteinkaufslage der Duisburger Innenstadt, ohne eine eindeutige Profilbildung, dar. Besonders der Fortzug der großen Textilwarenhäuser hat für die Münzstraße, aber auch die Beekstraße und Kasinostraße, zu einem starken Funktionsverlust und Trading-Down geführt.

Durch den Bau des Stadtfensters am Übergang von der Königstraße in die Münzstraße, als Standort für die Stadtbibliothek und die Volkshochschule mit ergänzendem Einzelhandel, sind positive Effekte für die Münzstraße als Standort für Handel und Kultur zu erwarten. Obwohl ein Geschäft dem Stadtfenster weichen musste, blieb der Betreiber an dem Standort und hat ein leerstehendes Kaufhaus umgenutzt, so konnte ein wichtiger Frequenzbringer konnte bereits auf der Münzstraße gehalten werden.

Schlechte Anbindung an den Innenhafen

Der Bereich um die Beekstraße und Kasinostraße weist dagegen kaum noch Einzelhandelsnutzungen auf. Während sich in der Kasinostraße Gastronomie und Vergnügungsstätten konzentrieren, weist die Beekstraße vermehrt Mindernutzungen und Leerstände auf. In den letzten Jahren ist eine stetige Zunahme des Funktionsverlustes zu erkennen, so dass nicht mehr nur die ehemaligen Ladenlokale in den Erdgeschossen, sondern auch gesamte (Büro-)Gebäude von Leerständen betroffen sind. Die Straßenzüge westlich der Beekstraße werden durch Wohnnutzung geprägt. Städtebaulich ist der Bereich überwiegend durch eine wenig ansprechende Architektur der Nachkriegszeit geprägt. Sowohl die Gebäude, wie auch der Straßenraum besitzen keine ansprechende Gestaltungsqualität und sind zum Teil defizitär. Der südwestliche Bereich der Wohnbebauung wird zudem durch die hohen Verkehrsbelastungen der nahegelegenen Marientorstraße negativ beeinflusst. Ein strukturelles Defizit ist die schlechte Anbindung an den Innenhafen, der derzeit noch durch einen großflächigen Gewerbebetrieb von der Wohnnutzung getrennt ist. Da die Altstadt-Süd außer dem Bereich entlang der Stadtmauer an der Unterstraße einen geringen Anteil Grünflächen aufweist, ist eine gute Anbindung an die vorhandenen Freiraumqualitäten des Innenhafens von besonderer Bedeutung. Die städtebaulichen Defizite des Wohnstandortes spiegeln sich auch in den Leerstandszahlen und sozialräumlichen Indikatoren wieder. Im Quartiersmonitoring zeigt das Wohnquartier, in dem die Aktivitätszone liegt, gegenüber den anderen Wohnquartieren in der Gebietskulisse signifikante Abweichungen. Bei einer Betrachtung der vorhandenen Daten für den Bereich der Altstadt-Süd verstärken sich diese Anzeichen. Die brachliegende Fläche des ehemaligen Parkplatzes zwischen Steinsche Gasse und Beekstraße prägt derzeit den südlichen Eingang zur Altstadt negativ. Durch die Entwicklung des Projektes Marientor-Carree, einem Ärztezentrum und altengerechten Wohnungen, wird sich dieser südwestliche Eingangsbereich in Kürze positiv entwickeln.

Herausbildung eines eigenen Profils für die Münzstraße

Insgesamt ist für die Aktivitätszone Altstadt-Süd eine Anpassung der Funktionen und zielgerichtete Weiterentwicklung der Stärken anzustreben, um den zahlreich vorhandenen Missständen entgegenzuwirken. Durch eine zielgerichtete Entwicklung sollen die Potentiale der Altstadt-Süd als Ergänzung der Handelslage und innerstädtischer Wohnstandort genutzt werden. Primäres Ziel für die Revitalisierung der Münzstraße ist die Herausbildung eines eigenen Profils mit Nischenbranchen aus den Bereichen der Kreativ- und Kulturwirtschaft oder auch der Migrantenökonomie. Durch eine eindeutige Profilierung in Ergänzung zum vorhandenen Angebot in der Handelslage sollen in Kooperation mit den Eigentümern weitere Angebote geschaffen und neue Zielgruppen angesprochen werden. Darüber hinaus gibt es eine private Initiative zur Entwicklung einer "Rockakademie", einem Proberaumzentrum für Duisburger Bands mit weiteren ergänzenden Nutzungen wie z.B. Gastronomie, Seminarräume, Tonstudio, Musikgeschäfte und Veranstaltungsbereich.

Beekstraße als Wohnstandort stärken

Für den Bereich um die Beekstraße ist dagegen eine Neuorientierung als Wohnstandort vorgesehen. Vor dem Hintergrund der hohen Leerstandsquoten und einer geringen Nachfrage nach Einzelhandelsund Büroflächen an diesem Standort sowie einem Bedarf nach einem breiteren Wohnungsangebot in der Altstadt-Süd, sollen leerstehende Handels-/Büroimmobilien in Wohnungen umgenutzt werden. Hier kann an bereits vorhandene private Initiativen angeknüpft werden.

Weitere Impulse für die südliche Altstadt können auch durch die Entwicklung von Büroflächen zwischen der Unterstraße und dem Innenhafen gesetzt werden. Hierdurch wird die Zäsur zwischen der Altstadt und dem Innenhafen abgebaut und die Flächen aufgewertet. Diese Entwicklung bietet, zur Stärkung der Wohnqualität im gesamten Bereich der Altstadt-Süd, die Möglichkeit der Herstellung einer direkten und hochwertigen Anbindung aus dem Quartier über die Entwicklungsflächen an den Innenhafen.

Die Revitalisierung der Altstadt-Süd ist nur unter Anpassung der Funktionen in den Teilbereichen zu erreichen. Die hieraus resultierenden Aufgaben sollen durch die Einrichtung eines Altstadtmanagements gebündelt werden.

Die privaten Investitionen an den Flanken der Altstadt am Marientor-Carree und der Unterstraße werden durch neue Nutzer und Bewohner zu einer stärkeren Belebung der Altstadt-Süd und somit auch zu einer Stärkung der Funktionen der angrenzenden Bereiche führen. Flankierend soll durch den Umbau und die Gestaltung der Unterstraße/Schwanenstraße die Altstadt-Süd besser an den Innenhafen angebunden werden.