Landschaftspark Duisburg-Nord

Der Landschaftspark Duisburg-Nord ist mit einer Fläche von etwa 200 ha der größte innerstädtische Landschaftspark Europas. Sein Kern besteht aus dem 1985 stillgelegten Hüttenwerk Meiderich der Thyssen Stahl AG, dem drei weitere brachliegende Industrieflächen, Siedlungsareale und landwirtschaftliche Nutzflächen angegliedert sind.

Die industrielle Geschichte des Hüttenwerks Meiderich begann um die Jahrhundertwende. Sie endete 1993 im heutigen Landschaftspark mit der Einstellung der Produktion auf dem Gelände des Manganeisenlagers.

Im Jahre 1989 wurde der Landschaftspark von der Stadt Duisburg als Projekt zur Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA) angemeldet und als IBA-Leitprojekt aufgenommen. Dabei wird das Geflecht industrieller Strukturen zur "Landschaft", die mit Abschluß des IBA-Leitprojekts im Jahre 1999 international präsentiert und erlebbar sein wird.

Der Landschaftspark gliedert sich in verschiedene Entwicklungsbereiche. Zentraler Anziehungspunkt ist die Hochofenanlage. Das Gelände der Schachtanlage, der Kokerei und des Manganeisenlagers ist den Zielen des Natur- und Artenschutzes sowie der Naherholung vorbehalten. Im Gegensatz zu den Industriebrachen sind die Flächen um den Ingenhammshof und den Emstermannshof landwirtschaftliche Nutzflächen.

Im Zuge der Umgestaltung der ehemaligen Industrieflächen in einen Landschaftspark wird auch die den Park durchfließende "Alte Emscher" umgestaltet. Dem Besucher des Landschaftsparks Duisburg-Nord erschließt sich die außergewöhnliche Landschaft mit ihrem hohen Aktions-, Erlebnis- und Erholungswert als Fußgänger oder als Radfahrer.

Innerhalb des Parks führt ein Rundweg durch die Industriegeschichte des Hüttenwerks Meiderich und seine Industrienatur.

Der Landschaftspark Duisburg-Nord erstreckt sich zwischen den Duisburger Stadtbezirken Meiderich und Hamborn.

Industrielle Geschichte des Hüttenwerks Meiderich:

Bereits 1912 waren fünf Hochöfen in Betrieb. In den 30er Jahren, als das Werk seine maximale Ausbaustufe erreichte, bildeten das Hochofenwerk mit Sinteranlage, die Schachtanlage "Friedrich Thyssen 4/8" und die Kokerei "Friedrich Thyssen 4/8" einen engen Verbund. Anfang der 50er Jahre wurde das Werk um eine Masselgießmaschine erweitert, in der das flüssige Roheisen des Hüttenbetriebs zu Barren, sogenannten Masseln, gegossen wurde. Aufgrund der Kohlekrise stellte die Schachtanlage als erste Großschachtanlage des Ruhrgebiets 1959 ihren Betrieb ein. Der komplette Abriß erfolgte in den 60er Jahren. Große Teile des Schachtgeländes dienten bis zur Stillegung des Hüttenwerks als Koks- und Kohlelager. Die Kokerei stellte ihre Produktion 1977 mit Beginn der Stahlkrise ein. Infolge der Strukturanpassung der Stahlindustrie wurden die Sinteranlage und die verbliebenen drei Hochöfen zwischen 1982 und 1985 stillgelegt.

Projekt zur Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA):

Ziel des Projekts ist die Verbesserung der Wohn- und Lebensverhältnisse im Duisburger Norden durch die Schaffung eines großen verbindenden Freiraumes bei gleichzeitiger Erhaltung der industriell geprägten Mitte des Stadtbildes.

Hierbei werden Teile der ehemaligen Werksflächen behutsam zum Park umgestaltet, andere hinsichtlich ihrer Arten- und Biotopschutzfunktion für die Tier- und Pflanzenwelt als Industriebra-chen gepflegt. Im Rahmen des Projekts begann im Juni 1990 die Durchführung eines Planungsverfahrens. Diese Phase fand mit der Annahme des Entwicklungskonzepts des Planungsteams LATZ & Partner im April 1991 ihren Abschluß. Seither erfolgt die Verwirklichung des Konzepts, das die vorhandenen industriellen Strukturen sensibel aufgreift und ihre historischen, soziokulturellen und ökologischen Potentiale ausgestaltet und weiterentwickelt.

Entwicklungsbereiche:

Von den insgesamt sieben Entwicklungsbereichen sind das Hochofenwerk, die Schachtanlage, das Gelände der Kokerei und des Manganeisenlagers, der Ingenhamshof sowie der Emstermannshof die wichtigsten.

Hochofenanlage:

Als Aussichtsturm ist der Hochofen 5 heute öffentlich zugänglich. Das ehemalige Pumpenhaus 1 dient Kulturveranstaltungen jeglicher Art, die Gebläsehalle Musikkonzerten und Theaterstücken und die Gießbühne 1 Freiluftveranstaltungen. Die 170 m lange Kraftzentrale ist Veranstaltungsort für Ausstellungen und andere kulturelle Großereignisse. Das Hüttenmagazin beherbergt eine Gastronomie mit Wechselausstellungsraum sowie die Dauerausstellung zur Werksgeschichte.

Der heute wassergefüllte Gasometer des Hüttenbetriebs steht Tauchern als Übungsbecken zur Verfügung.

Weitere Attraktionen des Hochofenwerks sind die Erzbunkeranlage mit Klettergarten einschließlich "Almaufstieg" und Kinderspielplatz mit Riesenrutsche sowie die Sinterbunkeranlage mit mehreren Themengärten. Das Gelände der 1993 abgebrochenen Sinteranlage mit seinem Freilichttheater ist ein weiterer Veranstaltungsort des Land-schaftsparks.

Das wichtigste industriegeschichtliche Landschaftselement ist die ehemalige Gleisharfe des Hüttenbetriebs, über die die Schachtanlage und das Kokereigelände erreichbar sind. Gelände der Schachtanlage: Weite Teile der Schachtanlage sind schon seit mehr als zwei Jahrzehnten brachgefallen und haben sich völlig ungestört zum Pionierwald aus Birken, Weiden, Pappeln und Gebüschen aus Weißdorn, Holunder und Brombeeren entwickelt. Das für zahl-eiche Vogelarten wichtige Rückzugs- und Brutgebiet bleibt der natürlichen Wiederbewaldung überlassen. Im Gegensatz dazu stehen die ehemaligen Koks- und Kohlelager der Schachtanlage, die von einem Mosaik vielfältiger und artenreicher Pionier- und Hochstaudenfluren spontan besiedelt wurden. Die offenen und warmen Vegetationsflächen sind Lebensgrundlage zahlreicher Insekten und anderer Kleintiere.

Gelände der Kokerei:

Das gesamte Kokereigelände wird von einem lichten Birkenhain bedeckt, der sich spontan seit dem Abriß der Kokerei entwickelt hat. Der Endzustand der Wiederbewaldung soll nicht erreicht werden, sondern der gegenwärtige außergewöhnliche Landschaftstyp erhalten bleiben.

Gelände des Manganeisenlagers:

Auf dem Gelände des Manganeisenlagers finden sich zur Zeit die jüngsten Pionierstadien und Hochstaudenfluren. Insbesondere diese Vegetationsflächen haben den größten Arten- und Biotopschutzwert aller Flächen des Landschaftsparks.

Ingenhamshof:

Der Ingenhamshof zählt zu den wenigen letzten landwirtschaftlichen Betrieben im gesamten Duisburger Norden und wird heute als Lern- und Lehrbauernhof genutzt. Alleen, Hecken, Obstwiesen, Weiden und Einzelbäume prägen das Landschaftsbild dieser kleinteiligen, bäuerlichen Kulturlandschaft.

Emstermannshof:

Der Emstermannshof existiert nicht mehr, und seine ehemaligen Betriebsflächen wurden teils überbaut, teils im ursprünglichen Zustand als Glatthaferwiese belassen.

"Alte Emscher":

Während die "Alte Emscher", ein Abwasserkanal, im Bereich des Landschaftsparks verrohrt wird, verbleibt ihr ehemaliger kanalisierter Flußlauf als offenes, von Niederschlagswässern gespeistes Gewässer im Landschaftspark erhalten. Als einzigem Gewässer des Landschaftsparks kommt dem Klarwasserflußlauf der "Alten Emscher" zukünftig eine große ästhetische und ökologische Bedeutung zu.

Rundweg:

Der Weg ist ein Teilstück des etwa 10 km langen Fuß- und Radwegs "Grüner Pfad", dem westlichen Abschnitt des Emscher-Landschaftspark-Radwegs, der einmal von Duisburg-Ruhrort durch den Landschaftspark bis nach Oberhausen-Osterfeld führen soll.