Welche Herkunftsdokumente werden benötigt?

Erwerb und Besitz von Exemplaren der besonders bzw. streng geschützten Arten sind gemäß § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) im Grundsatz verboten, wenn nicht nachweislich eine Ausnahme im Sinne des § 45 BNatSchG besteht. Dieser Nachweis erfolgt regelmäßig durch Herkunftsdokumente. Gemäß § 46 BNatSchG können Exemplare, für die dieser Nachweis nicht vorgelegt werden kann, beschlagnahmt und eingezogen werden.

Die schriftlichen Herkunftsnachweise sind daher sorgfältig zu verwahren, weil sie bei jederzeit möglichen behördlichen Kontrollen vorgelegt werden müssen; im Falle der meldepflichtigen Arten sind sie darüber hinaus bei der Anmeldung in Kopie vorzulegen. Zu unterscheiden ist zwischen den Arten, die dem Anhang A der EU-Verordnung 338/97 angehören, und den übrigen durch das BNatSchG besonders oder streng geschützten Arten.

Die Arten des Anhanges A sind in der Datenbank des Bundesamtes für Naturschutz (siehe: "Welche Arten sind geschützt ?") in der Spalte "EU" mit einem "A" gekennzeichnet.

Bei käuflich erworbenen Exemplaren der streng geschützten Arten des heutigen EU-Anhanges A ist das entscheidende Herkunftsdokument die sogenannte "CITES-Bescheinigung", eine behördliche Vermarktungsgenehmigung, ohne die ein solches Exemplar in keinem Fall verkauft oder gekauft werden darf. Diese ist gleichzeitig auch Nachweis der artenschutzrechtlich legalen Herkunft eines Tieres. Überzeugen Sie sich, ob diese Bescheinigung für das jeweilige Exemplar gültig ist! Ihre Gültigkeit kann im Einzelfall zeitlich befristet oder an besondere Bedingungen geknüpft sein; mitunter bezieht sie sich nur auf den erstmaligen Verkauf. Selbst unbefristete EU-Vermarktungsgenehmigungen werden jedoch spätestens dann ungültig, wenn nicht zweifelsfrei erkennbar ist, dass sie sich auf das gehandelte Exemplar beziehen.

Das kommt vor, wenn es nicht eindeutig und dauerhaft gekennzeichnet (z.B. bei Vögeln: geschlossener Fußring, dessen Nummer auch auf der Bescheinigung vermerkt sein muss), sondern nur photographisch abgebildet ist. In diesem Fall kann es sich im Laufe der Zeit so verändert haben, dass danach nicht sicher ist, ob sich die vorliegende Vermarktungsgenehmigung in Wahrheit auf ein anderes Exemplar bezieht. Auch dann, wenn Ihnen versichert wird, dass es sich trotzdem um dasselbe Exemplar handelt, ist die Vermarktungsgenehmigung damit faktisch erloschen.

Bei Exemplaren der besonders bzw. streng geschützten Arten, die nicht dem EU-Anhang A angehören, und für die auch keine EU-Vermarktungsgenehmigung älteren Datums vorliegt, ist zum Legalitätsnachweis zumindest eine Rechnung oder Lieferschein eines Zoofachhändlers erforderlich, bzw. bei Privatverkäufen eine vom vorherigen Besitzer individuell ausgestellte Herkunftsbescheinigung, in der er mit seiner Unterschrift dem Erwerber des Exemplares nicht nur bescheinigt, dass hinsichtlich dieses Exemplares eine Legalausnahme im Sinne des § 45 BNatSchG von den Besitz- und Handelverboten besteht, sondern worin genau diese Ausnahme besteht.

Diese besteht typischerweise darin, dass er selbst das jeweilige Exemplar aus einem artenschutzrechtlich legal erworbenen Zuchtstock gezüchtet hat, oder seinerseits das Exemplar artenschutzrechtlich legal von Dritten erworben hatte, wobei wiederum zu unterscheiden ist zwischen inländischen Nachzuchten bzw. legalen Naturentnahmen, legal importierten Exemplaren und solchen, die vor Unterschutzstellung ihrer Art erworben wurden. Nur dann, wenn anhand dieser Bescheinigung der artenschutzrechtlich legale Ursprung des jeweiligen Exemplares nachvollziehbar ist, kann ein Erwerber davon ausgehen, dass auch der Kauf legal ist. Anderenfalls haftet auch er, wenn eine behördliche Recherche den legalen Ursprung des Exemplares nicht bestätigt. In diesem Falle ist regelmäßig davon auszugehen, dass das jeweilige Exemplar ungesetzlich der Natur entnommen oder eingeführt wurde oder aus solchen Exemplaren illegal nachgezüchtet wurde. Solche Exemplare unterliegen daher dem Besitz- und Handelsverbot und können beschlagnahmt und eingezogen werden. Bestehen Sie also besonders bei Privatverkäufen auf einer möglichst eindeutigen, detaillierten und vom Verkäufer eigenhändig unterschriebenen Herkunftsbestätigung!

Auch die Herkunftsbescheinigungen von Exemplaren, die nicht dem EU-Anhang A angehören, beziehen sich immer auf ein bestimmtes Exemplar, das möglichst genau beschrieben sein muss (Angabe des wissenschaftlichen Artnamens, Geschlecht, Alter, Größe, Gewicht, Beschreibung individueller Besonderheiten sowie - im Falle der kennzeichnungspflichtigen Arten - Angabe des Kennzeichens)